Die Geschichte eines Vereins ist nicht identisch mit der Geschichte seiner Mitglieder, wenngleich die Mitglieder seine Entstehung, seine Tätigkeit, seine Bedeutung wesentlich bestimmen und gestalten. Die eine Gemeinschaft des Vereins übt einen mehr oder weniger starken Ein uss auf das einzelne Mitglied aus und jedes Mitglied bestimmt im Rahmen seines Einflussbereiches seiner Aktivität das Schicksal des Vereines mit. Zur Geschichte des Vereins gehört auch nicht allein die Summe seiner Leistungen auf kulturellem, gesellschaftlichem oder dem vereinszweck sonst entsprechendem Gebiet, sondern auch der Hinterrund, auf dem sich das Vereinsgeschehen abspielt. Manche zu ihrer Zeit entscheidende, vielleicht dramatische oder auch zwangsläufige Entwicklung ist heute unverständlich, wenn sie nicht auf dem historischen Hintergrund projiziert wird, auf dem sie sich abgespielt hat.
Gemeinsame Probleme, aber auch der gemeinsame Wunsch zu vermehrten Kontakten weckte auch bei uns das Bedürfnis zu einem Zusammenschluss der Studenten in irgend einer verbindungsähnlichen Form. Die Geschichte der Liechtensteinischen Akademischen Verbindung Rheinmark und ihrer Vorläuferin, der liechtensteinischen Studentenverbindung Rhenia kann ebensowenig losgelöst von den sozialen, gesellschaftlichen, rechtlichen und politischen Gegebenheiten der Vergangenheit geschrieben, gewertet und gewürdigt werden wie diejenige anderer Vereine.
Die folgende Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie stütztsich aber auf authentische Unterlagen oder zuverlässige Gewährsleute, wo Feststellungen gemacht werden, die für die Geschichte der Verbindung relevant sind.
Eine farbentragende Ferialverbindung, die Anregung und Gedankengut aus den Studienstädten bezog, hatte ihren Ursprung um 1911. Als ihre Gründer werden Josef Gassner, Triesenberg, (Verfasser des Liedes: "Hohe Alpen, meine Wächter . . . ") und Alfons Kranz, Student in Innsbruck (später Lehrer in Ruggell und Schaan) genannt.
"Aktenkundig" wurde die Rhenia durch ein Schreiben vom 19. August 1917 an die Fürstliche Regierung, "mit dem Ersuchen, beiliegende Statuten gnädigst der Durchsicht unterziehen zu wollen". Absicht und Auffassung der Gründer werden aus dem Schreiben klar: "Im Streben nach Ehre, Wissenschaft und Freundschaft zum Wohle unseres gemeinsamen Vaterlandes hat sich die auserwählte Schar zusammengefunden. Nicht allein diese Devise ist die Triebfeder zum engeren Zusammenschluss, sondern es ist auch der Wille des Volkes, das ein Recht hat zu wissen, wofür es seine Opfer bringt, der Zukunft seiner Söhne. Darum wollen wir uns zusammenschliessen, um unserem Volk zu zeigen: wir sind da und bauen mit Zuversicht amWohlergehen des Landes zur Wohlfahrt seiner Kinder und Enkel."
Die Regierung unterzog die Statuten gnädigst der Durchsicht und verfügte: "Die Bildung einer Studentenverbindung Rhenia nach Massgabe der vorgelegten Statuten wird unter der Bedingung nicht untersagt, dass in dieselbe Jünglinge, die ihrer Schulpflicht im Lande noch nicht Genüge geleistet haben oder denen nach den Schulgesetzen ihrer Lehranstalt der Eintritt in Vereine verboten ist, nicht aufgenommen werden dürfen." Am 3. September 1917 unterbreitete der damalige Senior der Rhenia, Johann Schädler, stud. phil., Triesenberg, die nach Wunsch der Regierung geänderten Statuten, die schliesslich mit dem Vermerk "Eingesehen, der Fürstlicher Landesverweser, Imhof" am 11. September 1917 abgelegt wurden. So also bestand die Rhenia rechtens und hatte genügend Anziehungskraft und Interesse bei der damaligen Studentenschaft, um bald eine stattliche Anzahl von Aktiven zu vereinen: Josef Hoop aus Eschen (Dr. phil., Dr. jur., Justizrat), Rudolf Meier aus Nendeln (Dr. theol., Prof.), Alois Ritter aus Ruggell (Dr. jur. Justizrat), Othmar Brunhart aus Schaan (Dr. med.), Dr. Otto Walser aus Schaan, Ludwig Marxer aus Eschen (Dr. jur., Justizrat), Rudolf Schädler aus Vaduz, Hans Gassner aus Triesenberg (Grundbuchführer), Gustav Schädler aus Triesenberg (Prof., Studienrat), Otto Schädler aus Balzers (Dr. med., Sanitätsrat), Rudolf Schädler aus Balzers (Dr. med.), Gebhard Schädler aus Balzers (Dr. med. dent.), David Matt aus Mauren (Dr. med. vet.), Theo Schädler (Betriebsleiter), Josef Batliner aus Mauren, Rupert Ritter aus Mauren (Ing. agr., Dr. jur., Hofrat).
Als Alte Herren sind verzeichnet: Dr. phil. Eugen Nipp (Prof., Studienrat), Dr. med. Alfons Brunhart, Dr. med. Albert Schädler(Landtagspräsident), Dr. med. Rudolf Schädler. Es überrascht nicht, dass sich einige dieser Namen in der Altherrenliste der späteren Rheinmark wiederfinden . Auch die Couleurdamen bildeten in statlicher Anzahl einen reizvollen Kranz.
Die Statuten dekretierten die Rhenia als eine "Vereinigung katholischer deutscher Studenten in Liechtenstein" mit Sitz in Schaan, dem Wahlspruch "Virtus, Patria, Amicitia" und dem Zweck der "Belebung und Förderung von Freundschaft und Vaterlandsliebe auf dem Boden katholischer Weltanschauung". Abzeichen der Verbindung waren "das blau-rot-goldene Band mit roter Mütze".
Ein Eintrittsgeld von 2 Kronen und ein Jahresbeitrag von 3 Kronen wurden genauso statutarisch festgelegt, wie eine Strafe von 50 Hellern bei "unentschuldbarem Nichterscheinen zu einer offiziellen Versammlung"."Zum Zwecke moralischer und finanzieller Unterstützung" durften Ehrenmitglieder ernannt werden. Auch gab sich die Verbindung das Recht, einen Komment aufzustellen.
Als Stammlokal war die Linde in Schaan ausersehen; offizielle Kneipen fanden jeweils am Ostermontag, am Pfingstmontag und am Stefanstag statt, offensichtlich die Tage, an denen man alle Studierenden im Lande wusste. Die Teilnahme an den offiziellen Anlässen war selbstverständlich, auch wenn sie einen langen Anmarsch voraussetzte. Autos waren unbekannt und Fahrräder zu selten, um sie als normales Beförderungsittel bezeichnen zu können. Auch der Besuch gelegentlicher Kneipen sei auf den drei Schwestern Schauer in Masescha und im "Waldi" in Triesenberg-Masescha war offenbar durch das Erschwernis des Anmarsches nicht in Frage gestellt.In Anbetracht des langen Anmarsches und der seltenen Gelegenheit war es nicht ungewöhnlich, dass die Kneipen in der Regel zwei bis drei Tage dauerten und eher als Ausflüge mit Kneipe und Katerbummel aufgefasst wurden.
Das Radio hatte damals noch nicht Einzug gehalten in unserem Lande. Ein Grammophon gab es zwar bereits da und dort. Das Interesse für jede Art von fröhlicher und unbeschwerter Unterhaltung war noch viel ursprünglicher und anspruchsloser.
Deshalb suchte die Rhenia in der erklärten Absicht, sich "dem Volke zu zeigen", den engen Kontakt mit der Bevölkerung, wozu eine Mischung von leichter Unterhaltung und ernster Ansprache ein geeignetes Mittel schien. Die Rhenia machte sich auch bald als Gruppe von Laienspielern bekannt, die sich mit Theaterspielen Interesse und Sympathie ihrer Zuschauer sicherte.
Die wirtschaftliche Lage des Landes und seiner Bevölkerung wurde in den Kriegsjahren 1914-1918 immer schwieriger. Die unbeschwerten Aufführungen der Rhenia haben in dieser Zeit sicherlich viel dazu beigetragen, die Bevölkerung die zunehmende Angst vor den Folgen des Krieges vergessen zu lassen. Nach Kriegsende wurde ein gelegentlicher Lichtblick sicherlich noch dankbarer gewürdigt, da in unserem Lande die Folgen des Krieges sich nun erst richtig auszuwirken begannen. Es ist verständlich, dass heitere Zusammenkünfte und fröhliche Kneipen immer seltener wurden. Schliesslich zog die harte Not durchs Land. Die Zukunft der jungen Akademiker war in hohem Masse ungewiss geworden. Die Frage, die sich dem Lande und insbesondere auch seinen jungen Akademikern nach der Kronenentwertung immer vehementer stellte, bezog sich auf die zukünftige Orientierung unseres Landes nach seinem traditionellen Partner Österreich oder der vom Krieg kaum angeschlagenen Schweiz. Die Auseinandersetzungen um diese Neuorientierung brachte einen Zwiespalt auch in die Rhenia. Verschiedene Projekte, den besten Weg aus dem wirtschaftlichen Elend zu finden, wurden diskutiert, fanden ihre Anhänger und Gegner.
Schliesslich fand man den Ton nicht mehr, der in den Statuten angeschlagen worden war, man konnte nicht mehr miteinander reden, die Meinungsverschiedenheiten schienen unüberwindlich. Also traf man sich nicht mehr.
Im Jahre 1925 gründeten die Studenten Richard Meier, Martin Risch und Alois Vogt die Studentenverbindung Rheinmark. Sie legten den Grundstein für das in diesem Jahr sechzigjährige Bestehen der Liechtensteinischen Akademischen Verbindung Rheinmark.
Der Zusammenschluss von liechtensteinischen Studenten in einer Verbindung hat sich bis heute weitgehend unverändert erhalten. Das Wirken der Gründer hat zunehmend Früchte getragen. Der grosse Kreis von Aktiven und Altherren zeugt von der Richtigkeit der Idee der Gründer, gleichgesinnte Studierende für ein liechtensteinisches Couleurstudententum zu aktivieren und in einer Verbindung, die dauerhafte Beziehungen und Bindungen zum Ziele hat, zusammenzuführen.{OW
Richard Meier wurde am 8. Dezember 1906 als Sohn des "Engelwört" Jakob Meier und dessen Frau Maria geb. Biedermann in Nendeln geboren. Er wuchs zusammen mit 13 Geschwistern auf, besuchte die Volksschule in Nendeln und ab 1918 das Jesuitenkollegium "Stella Matutina" in Feldkirch, wo er 1926 maturierte. Richard Meier studierte zwei Jahre Philosophie und Theologie an den Universit
Martin Risch wurde als fünftes von neun Kindern den Eltern Anton und Katharina Risch geb. Hoop am 17. September 1899 in Triesen geboren. Im Alter von 6 Jahren verlor er seine Mutter und wuchs in einer Pflegefamilie auf. Er besuchte nach der Volksschule die Realschule in Vaduz und dann das Gymnasium in Immensee/Kanton Schwyz, wo er maturierte. Nach dem Studium der Medizin in Innsbruck, wo er 1929 promovierte, absolvierte er eine zweijährige Ausbildung als Assistenzarzt im Ausland. 1931 eröffnete er seine erste Arztpraxis in Eschen, 1934 zieht Dr. Martin Risch nach Vaduz, wo er bis zu seinem Tod am 5. Januar 1970 eine Arztpraxis führte.
Alois Vogt wurde am 19. Juli 1906 in Balzers geboren. Seine Eltern, Josef Kaspar und Theresia geb. Gstöhl, betrieben eine Landwirtschaft. Er ist im Kreis von 5 Geschwistern aufgewachsen, besuchte die Volksschule in Balzers und die Realschule in Vaduz. Am Gymnasium in Mehrerau/Bregenz maturierte Alois Vogt 1928. Anschliessend studierte er Rechtswissenschaft an den Universitäten Fribourg, Innsbruck und Wien. Alois Vogt wurde 1932 in Wien zum Doktor der Rechte promoviert.
Er eröffnete 1935 eine Rechtsanwaltskanzlei, engagierte sich aber bald auch in der Politik. Fürstlicher Justizrat Dr. Alois Vogt, Gründungsmitglied der Rheinmark, lebt mit seiner Familie in seinem schönen Heim an der St. Anna-Gasse in Vaduz.
Nach dem Zusammenbruch aller Werte und Massstäbe, der Not und dem Hunger, die der erste Weltkrieg und die Nachkriegsjahre auch für unser Land gebracht hatten, zeigten sich endlich etwas hellere Streifen am Horizont. Liechtenstein hatte den wirtschaftlichen Anschluss an die Schweiz gefunden und sich selbst eine neue Verfassung gegeben. Die ersten Gehversuche auf eigenen Beinen waren noch etwas zögernd und gehemmt durch Geldmangel und Arbeitslosigkeit, aber endlich waren die Gedanken nicht mehr nur den Sorgen um das tägliche Brot gewidmet. Man durfte wieder etwas Optimismus haben, über den Rand des Tellers hinaus Pläne schmieden.
Studenten, die damals den Wunsch und die Absicht hegten zu einem engeren Zusammenschluss, der dazu dienen könnte, ihre Probleme im Kreise von Gleichgesinnten zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und die nun endlich etwas weniger problematische Zukunft zu besprechen, bot sich keine Möglichkeit mehr, sich in Liechtenstein einer bestehenden aktiven Verbindung anzuschliessen. Noch war natürlich die "Rhenia" als Verbindung bekannt. Ihre ersten Aktivitäten, insbesondere ihr Auftreten in der Öffentlichkeit, hatten ihr einen Ruf gesichert, der nicht soschnell verblasste. Aber von der einstmaligen Aktivität war nichts mehr zu spüren. In Resignation verwiesen Mitglieder der Rhenia die beitrittswilligen Studenten darauf, dass es wohl besser sei etwas Neues zu beginnen, da die Rhenia nicht mehr wieder zu beleben sei.
Es liegt eine erstaunliche Zufälligkeit und historische Folgerichtigkeit darin, dass die Geburtsstunde der "Rheinmark" im Stammlokal der "Rhenia" schlug, in der Linde in Schaan. Richard Meier (Dr. med. dent., Medizinalrat), Student in Feldkirch, Alois Vogt (Dr. jur. Justizrat), Student in Bregenz und Martin Risch (Dr. med. Landesphysikus Sanitätsrat), Student in Innsbruck fassten "anlässlich eines fröhlichen Beisammenseins", wie es die Gründer später formulierten, den Entschluss, eine neue Verbindung zu gründen. Richard Meier leitete als erster Senior die Aufbauarbeit der Rheinmark von 1925-1928.

Die Gründer der L.A.V. Rheinmark !
Die "Rheinmark" suchte, wie vor ihr die "Rhenia", den Kontakt und das Gespräch mit dem Volk. Zwar hat sie sich offenbar nie offziell angemeldet - auch in dieser Hinsicht hatte sich eine liberalere Auffassung durchgesetzt - aber auch sie stellte sich vorerst auf eine recht ungewöhnliche Weise vor:
Sie bildete eine Studentenmusik, eine Blaskapelle, die wiederholt mit Erfolg öffentlich auftrat. Ausserdem mussten die Kontakte mit den befreundeten Verbindungen geknüpft werden, die Alten Herren der 'Rhenia' unterstützten die Bemühungen mit Wohlwollen. Allmählich wuchs die kleine Gruppe. Einladungen nach Vorarlberg, Gegeneinladungen nach Liechtenstein schufen die freundschaftliche Bindung, aus der Impulse auf das beginnende Verbindungsleben ausgingen. Fast alle Studenten aus unserem Lande verbrachten damals ihre Studienzeit in Osterreich. Sie fühlten sich einer grossen Gemeinschaft von Couleurstudenten zugehörig und nahmen die Gelegenheit mit Freuden wahr, auch in ihrer Heimat das Verbindungsleben zu pflegen. Freilich war das vorerst noch ein recht bescheidenes Verbindungsleben. Man traf sich relativ selten, da es kein derzeit verfügbares Transportmittel gab, Telefone waren vereinzelt schon vorhanden, aber schon die Beschaffung von Bändern und Mützen scheiterte oft an der Tatsache, dass nicht einmal die dafür notwendigen Franken verfügbar waren. Liechtensteiner gingen als Saisonarbeiter ins Ausland, man riss sich um die streng rationierte Arbeitsmöglichkeit an öffentlichen Arbeiten im Lande, wie zum Beispiel dem Kanalbau. Liechtenstein stand vor sechzig Jahren mit einem Budget von Fr. 400 000.- noch tief in der wirtschaftlichen Misere. Wie hätten Studenten damals Geld für Kneipen auftreiben können, wo selbst ihr Senior es als besonderen Glücksfall bezeichnen konnte, zu einem Taglohn von 5 Franken beim Landeswerk Lawena tätig sein zu dürfen!
Dass die Rheinmark diese Zeiten als Verbindung überlebte, hat sie zweifellos ausser dem beharrlichen Optimismus ihrer Gründer, dem Rückhalt zu danken, den die "Clunia", die "Austria", die "Raetia", die "Montfort", die "Helvetia Oenipontana" und andere österreichische Verbindungen vermittelten. Trotz Wirtschaftskrise bot die gegenseitige Freundschaft manche Gelegenheit zu froher Zusammenkunft und freundschaftlichem Treffen. Das hörte 1938 abrupt auf, als die Bindung mit den österreichischen Kommilitonen durch die Besetzung Österreichs zerrissen worden war. In Österreich, einem besetzten Land, wurde jede couleurstudentische Aktivität verboten und auf Kommilitonen, die sich von ihrer couleurstudentischen Haltung nicht abwenden wollten, wurde starker politischer Druck ausgeübt. Damit hatte die Rheinmark über Nacht den verlässlichen Halt, die gesellschaftlichen Kontakte und die moralische Unterstützung ihrer langjährigen Freunde aus Österreich verloren.
Die Rheinmark war nun allein auf sich gestellt. Sie musste sich selbst behaupten und bewähren, als eine liechtensteinische Verbindung. In dieser für ihre Existenz äusserst kritischen Zeit gelang es, ihr einen nationalen, überparteilichen Charakter zu geben, der sich auf den fundamentalen Begriffen "Freiheit und Vaterland" aufbaute und ihr schliesslich auch die innere Haltung und Kraft verlieh, die ihr bevorstehende Zerreissprobe zu bestehen.
Als zusätzlicher Versuch, die Plattform zu verbreitern und eine standespolitische Tragschicht der Akademiker im Lande zu bilden, wurde 1939 über Initiative der Rheinmarkführung der Liechtensteinische Akademikerverband gegründet, der in seinen Reihen jedoch die Polarisation Für und Wider das nationalsozialistische Gedankengut nicht verkraftete. Das letzte Lebenszeichen des Akademikerverbandes war die ausserordentliche Generalversammlung vom 23. Januar 1946. Dem damaligen Präsidenten des Akademikerverbandes war es trotz mehrmaliger Versuche nicht mehr gelungen, das notwendige Quorum in einer ordentlichen Generalversammlung zusammenzubringen. Er sah sich daher zur Demission gezwungen. Der Vizepräsident Dr. Richard Meier berief daher eine ausserordentliche Generalversammlung ein, in welcher die Auflösung des Akademikerverbandes einstimmig beschlossen wurde. Die Mitglieder konnten sich jedoch durch einfache Beitragszahlung ohne Beitrittserklärung der Altherrenschaft der Rheinmark anschliessen. Fast alle ergriffen diese Möglichkeit, soweit sie nicht schon vorher Mitglieder sowohl der Altherrenschaft als auch des Akademikerverbandes waren.
Allmählich hatten sich nach 1938 auch die Bindungen mit schweizerischen Verbindungen ergeben, vor allen Dingen, weil Liechtensteiner nun vermehrt in der Schweiz studierten. So auch der spätere Senior David Büchel, der die Rheinmark in einem entscheidenden Zeitabschnitt von 1939 bis 1945 führte. Er übernahm eine Menge von unbeachteter aber notwendiger Kleinarbeit, wie die Kodifizierung eines Komments, die Überarbeitung der Statuten der Verbindung und des Ehrengerichtsstatuts. Er sorgte dafür, dass die Verbindung wieder mit Farben ausgerüstet wurde und rettete als Student in Innsbruck die beim "Corps Gothia" requirierten Schläger über die Grenze. Sein Hauptanliegen aber war der innere Aufbau der Verbindung und der enge Kontakt mit der Altherrenschaft. Das war um so wichtiger, als mittlerweile sich in Liechtenstein eine sehr kritische Situation entwickelte:
Mit den Anfangserfolgen, auf welche der Nationalsozialismus verweisen konnte, drangen auch Auffassungen und Überzeugungen in unser Land, die das Couleurstudententum in Frage stellten. Es gelang der Rheinmark, die daraus resultierenden inneren Spannungen zu überwinden, auch zu einer Zeit, als das Grossdeutsche Reich auf dem Höhepunkt seiner Erfolge stand und der Ruf nach dem "Anschluss" auch in Liechtenstein von einer lautstarken Minderheit immer deutlicher vernehmbar wurde. Jetzt stellte sich der Rheinmark die historische Aufgabe, die Plattform zu bilden, auf der man trotz politischer Gegensätze und verhärteter Standpunkte noch zusammenkommen und diskutieren konnte.
Als im Frühjahr 1945 der 2. Weltkrieg endlich vorbei war, rüstete die Rheinmark zu ihrem 20. Stiftungsfest, welches nicht nur ein Jubiläum der Verbindung, sondern eine Wiederaufnahme der Beziehungen mit österreichischen Verbindungen, ein Treffen von Kommilitonen aus Österreich, der Schweiz und Liechtenstein, ein neues Erstehen des Couleurstudententums in unserem Raum werden sollte. Es ist seither in der Rheinmark stets als "das grosse Stiftungsfest" bezeichnet worden. Es brauchte eine zielbewusste und systematische Anstrengung, um mit den Voraussetzungen für dieses Stiftungsfest, den Vorbereitungen und den organisatorischen Problemen fertig zu werden. Die Rheinmarkführung war entschlossen, das erste Stiftungsfest nach dem Kriege "in grösserem Rahmen" zu feiern. Der Rahmen, in dem es schliesslich stattfand, war ursprünglich weder vorgesehen, noch beabsichtigt.
Es fehlte noch an vielem, was ein standesgemässes Auftreten der Rheinmark erst möglich machte. Gregor Steger wanderte inzwischen von Stamm zu Stamm und erwies sich als äusserst erfolgreich in der Einladung von Verbindungen, die sich zum grossen Teil mit Fahnendelegationen ansagten. Sie ergriffen mit Freude die erste Gelegenheit nach dem Kriege, im Ausland aufzutreten.
Die Meldungen über die Zusage so vieler Gäste führten eilends zur Bildung eines Organisationskomitees, das sich wieder in Wirtschafts-, Unterhaltungs-, Dekorations-, Finanz-, Empfangs- und Presse-Komitee unterteilte. Dass diese Komitees am 8. August erst konstituiert wurden, ist in Hinsicht auf das Datum des Stiftungsfestes 22./23. September 1945 besonders erstaunlich. Welche Probleme sich den Komitees stellten, zeigten sich beispielsweise darin, dass durch Beschluss des Wirtschaftskomitees mit der Regierung wegen Sonderzuteilung von Kaffeemarken verhandelt werden musste. Am 23. August vermerkt der Protokollführer, dass ihm der Beschluss, welche Weine als ausschankfähig bezeichnet wurden, nicht bekannt sei, da ihm die Gustierproben zu lange dauerten. Die Musik für den Ball konnte für Fr. 300.-, hälftig geteilt zwischen der Rheinmark und dem Direktor des Waldhotels, engagiert werden.
Sollte ein Festführer ausgegeben werden? Finanzielle Überlegungen liessen davon absehen. Hingegen sollte die Einladung österreichischer Verbindungen nicht an finanziellen Fragen scheitern: Patenschaften für österreichische Verbindungsmitglieder wurden geschaffen, Alte Herren der Rheinmark übernahmen die Kosten für ihre Kommilitonen aus Österreich und sorgten auch noch für ein kleines Taschengeld für jeden.
Schliesslich konnte Dir. Ospelt den Menüplan für das Bankett im Waldhotel vorlegen:
zwei Pasteten, Bouillon, Schweinsbraten oder Kalbsnierenbraten, Kartoffelpüree oder Reis, zwei Gemüse, zwei Salate, Charlotte Russe, Mocca und Torte; alles zusammen inklusive Service für Fr. 7.70 und drei Mahlzeiten-Coupons.
Ing. Peter Rheinberger stellte im Roten Haus 50 Liter Vaduzer Sauser zur Verfügung. Aufschnitt, Lyoner und Fleischkäse wurden zu Fr. 8.- pro kg, 300 Paar Bürle zu 15 Rappen, 10 Weggen zu 56 Rappen und 100 Nusskipfel zu 25 Rappen fest bestellt.
Man entschied sich, den Begrüssungsschoppen im Lindensaal in Schaan, alle übrigen Feierlichkeiten jedoch in Vaduz durchzuführen und den Gedanken, einen Teil nach der Burg Gutenberg zu verlegen, fallen zu Lassen. Transportprobleme und die bauliche Sicherheit waren dafür ausschlaggebend.
Als deutlich sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit dem Fürstenhause sollte I.D. die Fürstin mit dem Senior zusammen im Festzug mit der Kutsche des Fürsten Wenzel fahren. Leider scheiterte dieser Plan an der Tatsache, dass nicht 6 Pferde gefunden werden konnten, die zusammengehen und damit die Sicherheit nicht gewährleistet werden konnte.
Durften die Delegationen von ihren Verbindungsfahnen getrennt werden? Einzelne erhoben heftigen Widerspruch, als die Fahnen am Rost an die Decke des Rathauses gehievt werden sollten. Gegen ehrenwörtliche Erklärung des Seniors, dass die Fahnen am Morgen nach dem Stiftungsfest am jeweiligen Stamm abgegeben würden, konnte endlich die Zustimmung aller erreicht werden. Als ganz besonders schwierig erwies sich das Transportproblem wegen der knappen Benzinrationierung. Der Transport der Gäste von Schaan nach Vaduz und zurück mit Sonderbus konnte nur nach langwierigen Verhandlungen gesichert werden. Bei den Gästen aus Vorarlberg blieb schliesslich eine einzige gangbare Lösung: Dr. Richard Meier holte die Gäste mit seinem Holzkohlengenerator aus Feldkirch ab! Auch der Transport der Musikkapelle konnte nur auf diese Art bewältigt werden. Schliesslich ging es noch um Wichs und Fahne. Die Fahne, entworfen von Hofkaplan Ludwig Schnüriger und gestickt in Wil/SG von Kurer & Co., war ein "unübertreffiches Meisterstück" in Gestaltung und Ausführung geworden: In Seide gefertigt, blau und rot, durch einen goldenen Schrägbalken geteilt, der Minnesänger Ulrich von Lichtenstein getreu seiner Darstellung in der manessischen Liederhandschrift im Freiviertel und der Name der Verbindung im Schwenkel. Ein Kleinod, auf das ihr Schöpfer und die Verbindung stolz sein dürfen. Schliesslich war alles für das grosse Fest bereit. Auch die offziellen Einladungen waren verschickt: an "das Fürstenpaar, den Regierungschef und seinen Stellvertreter, den Landtagspräsidenten, den Arbeiterpräsidenten, den Gewerbepräsidenten, den Präsidenten des Bauernverbandes und an den Gesandten in Bern."
Die Landespresse vergass für einmal den sachlichen Berichtsstil und kündigte das Fest mit begeisterten Wendungen an: "Der Dreischwestern Felsenstirne träumt an Rheinmarks Bundeswiege! Am Fusse des Wahrzeichens des Landes, des altersgrauen Hohen-Liechtenstein, wird sich ein studentischer Akt, dem überlokale Bedeutung zukommt, ereignen. Ich möchte ihn als Auftakt werten, eine wunderschöne Tradition aufnehmend, die Bande studentischen und völkischen Lebens von Land zu Land enger zu knüpfen, die durch den Krieg unterbrochen wurden." Und es wurde "eine Grosskundgebung farbentragenden Studententums". Vom Begrüssungsschoppen in der Linde in Schaan bis zum Festkommers im Rathaussaal Vaduz, von der Fahnenweihe in der Kirche Vaduz bis zum Festzug, vom Empfang im Schlosshof bis zum Bankett im Waldhotel, alles fügte sich zu einer begeisternden Demonstration des Couleurstudententums. Die Presse kommentierte: "Der Verlauf dieser studentischen Veranstaltung mit den vielen feierlichen Voten zur Teilnahme am Aufbau der europäischen Kulturgemeinschaft darf uns doch mit Hoffnung erfüllen" und "... nicht nur ein Studentenfest gewöhnlicher Art, es war das Treffen einer geistigen Elite aus drei Ländern, eine seltene Gelegenheit zu ernsten Gesprächen, zum Sichfinden und -verstehen, zur Knüpfung herzlicher Freundschaften und darüber hinaus natürlich zur ungezwungenen Fröhlichkeit, zu Sang und Becherklang."Die unentwegte, beharrliche und hingebungsvolle Arbeit hatte jetzt nicht nur ihre Früchte getragen, sie wurde bei dieser Gelegenheit auch erkannt und anerkannt. Was David Büchel als Senior seit 1939 aus der Rheinmark gemacht hatte, durfte sich sehen lassen und die Gründer bekannten in der Festansprache "... wenn sie heute in ihrer ganzen Grösse und Stärke vor uns steht, so verdanken wir dies in erster Linie unserem Burggrafen Götz!"
Natürlich hatte das grosse Stiftungsfest seine Auswirkungen auf die Rheinmark, auf die Bereitschaft der jungen Akademiker, sich aktiv für ihre Ziele einzusetzen, aber auch auf die so dringend notwendige Unterstützung durch die Alten Herren. Die Rheinmark hatte sich auch der Bevölkerung in überzeugender Manier dargestellt. Der wichtigste Effekt war jedoch der Brückenschlag zwischen schweizerischen und österreichischen Verbindungen. So waren Hilfsaktionen für die österreichischen Studentenschaft bereits ein Traktandum des ersten Altherrenkonvents nach dem Stiftungsfest am 27. Oktober 1945, bei welchem Dr. Richard Meier nunmehr zum Präsidenten der Altherrenschaft gewählt wurde. Er hatte wie kein anderer durch seine Haltung die Rheinmark aus Parteistreit herausgehalten, Verd
Konsequenter und wirkungsvoller als zuvor schaltete sich nun die Rheinmark auch in die Diskussionen um aktuelle Probleme des Landes ein. Insbesondere dort, wo es um Belange der Studierenden oder der im Lande praktizierenden Akademiker ging. Sie nahm Stellung zu Gesetzesentwürfen und wahrte die Interessen der Akademiker durch entsprechende Anregungen. Schon im Jahre 1951 diskutierte die Rheinmark unser Eherecht und zeigte die Ernsthaftigkeit ihrer Auffassung durch einen öffentlichen Vortrag von Universitätsprofessor Dr. Gschnitzer, Innsbruck, den sie als Referenten gewinnen konnte.
Die Altherrenschaft gestaltete ihre Zusammenkünfte als Diskussionsabende, bei denen jeweils ein Referent ein Thema darstellte und mit Fachkenntnis erläuterte. Wiederholt standen die Themen in einem Zusammenhang, so dass sich ein eigentlicher Vortragszyklus ergab, der einer einheitlichen Thematik unterstellt war. So stand z.B. das Programm "Kulturschutz und wir" und umfasste folgende Referate:
Die Ausarbeitung der neuen Stipendienordnung, die akademische Berufsberatung, Studienhilfe der Alten Herren an Aktive der Rheinmark und immer wieder die Zusammenarbeit mit den Kommilitonen in der Schweiz und in Österreich waren Themen, die die Rheinmark beschäftigten. Auch die Anerkennung der liechtensteinischen Matura in der Schweiz, das Projekt eines Technikums in Buchs und die Frage eines Abendtechnikums in Liechtenstein wurden eingehend beraten und fanden ihren Niederschlag in den Protokollen oder in Resolutionen an die Behörden. Aber auch die Möglichkeit von Austauschstipendien, Kontaktförderung mit Studenten aus Entwicklungsländern und sogar der Bau einer "Rheinmarkhütte", die aber "nicht als Auswegstation nach der Polizeistunde, sondern als Ausgangspunkt für Sommer- und Wintersport" gedacht sei, wurden lebhaft diskutiert. Das Jahr 1956 brachte der Rheinmark eine willkommene, gerne benutzte Gelegenheit zu einem vorbildlichen Auftreten in der Öffentlichkeit. Der Berichterstatter schreibt darüber in seinem Bericht an die Generalversammlung:
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Von links nach rechts: Karlheinz Ritter v/o Rito, Walter Oehry v/o Kastor, Hermann Walser v/o Teddy, Hilmar Ospelt v/o Tasso, Herbert Batliner v/o Herz, Emil Heinz Batliner v/o Pfiff, anlässlich der 250-Jahrfeier in Eschen 1949.
". . . Höhepunkt studentischen Lebens im Berichtsjahr stellte ohne Zweifel das Stiftungsfest dar, eingebaut in den Rahmen der 150-Jahrfeier. Bei der erwähnten Feier gelang es der Aktivitas, sich der gesamten Bevölkerung des Landes, den zahlreichen Berichterstattern und Kameras von der besten Seite zu zeigen. Wie seinerzeit bei der 250-Jahrfeier in Eschen, so darf auch diesmal bei der 150-Jahrfeier in Vaduz die Rheinmark sich dazu gratulieren, in bester Aufmachung und untadeliger Haltung verewigt worden zu sein." Der Berichterstatter hätte auch ohne Übertreibung die Peter-Kaiser-Feier in Mauren im Vorjahre 1955 erwähnen dürfen.
Einfallsreich und originell erwies sich die Verbindung auch in den einschlägen Veranstaltungen. Neben den hochoffziellen Anlässen Stiftungsfest, Ball, Antrittskneipe und Weihnachtsfeier wusste man immer wieder interessante Besichtigungen, Wanderungen oder Rundfahrten zu organisieren, die das Angenehme mit dem Nützlichen, die Geselligkeit mit der Allgemeinbildung verquickten. Ein Studentenfest eigener Prägung war die "Schalunkneipe", die jeweils zu nächtlicher Stunde auf "Burg Schalun", der Ruine Wildschloss, mit "Ritterspielen", Sang und Trunk - einmal sogar mit einem veritablen Spanferkel - durchgeführt wurde. Dabei pflegte der "Chronist" in handgeschmiedeten Reimen ein Kapitel aus der ruhmreichen Geschichte derer von Schalun vorzutragen - "ich verkünd es, der Chronist, des Amt von ew'ger Dauer ist. . . "
Als bewährtes Mittel zum Kontakt zwischen den Mitgliedern der Rheinmark und sicherer Treffpunkt diente der Stamm, der zwar im Verlaufe der Zeit mehrmals das Lokal wechselte, aber nie für lange Zeit verwaist blieb. Die "Stammbücher", in denen sich die Besucher mit der Zeit und Stimmung entsprechenden Kommentaren oder Zeichnungen eintrugen, sind denn auch eine aufschlussreiche Sammlung dokumentarischer Unterlagen über das Verbindungsleben. Leider sind die "Bieruhr" und der schmiedeeiserne "Stammheilige", hochgeschätzte Utensilien des Stammes, der Sammelwut irgendwelcher Souvenirjäger zum Opfer gefallen.
Ab 1958 wurden regelmassig Turnabende unter kundiger Leitung durchleführt, besonders um der vorzeitigen Verkalkung der Alten Herren vorzubeugen. Dieser Ausgleichssport erwies sich als sehr nützlich und begehrt. Andere sportliche Veranstaltungen, Wanderungen, Skirennen, wurden zum Teil als Kombination zwischen Sport und Ulk nach Lust und Bedarf in das Programm eingebaut.
Auch sie dienten der Festigung des Kontaktes zwischen den Kommilitonen und gaben Gelegenheit zu freundschaftlichen Begegnungen. Zwar beklagte sich schon der Jahresbericht 1960 darüber, dass sich die Verhältnisse grundlegend geändert hätten, denn "heute sind unsere Aktiven zum grössten Teil auch während der Semesterferien im Ausland, entweder um ein Praktikum zu absolvieren oder aus Gründen der sprachlichen Weiterbildung. Für die wenigen Anwesenden ist es deshalb oft ausserordentlich schwierig, einen Anlass so zu organisieren, wie es den allgemeinen Vorstellungen entspricht." Aber irgendwie gelang es mit dem Einsatz der wenigen im Lande Anwesenden immer, die traditionellen Verbindungsanlässe mit mehr oder weniger Elan über die Bühne zu bringen.
Die Rheinmark hatte durch die allgemeinewirtschaftliche Besserstellung und die grosszügige Einstellung der Altherrenschaft in zunehmendem Masse auch die Möglichkeit, soziale oder auch kulturelle Anliegen zu fördern, nicht mehr allein durch Erklärungen und Vorstösse, sondern auch mit baren Mitteln. So wurden namhafte Zuwendungen gemacht an das Studentenheim der Handelshochschule St.Gallen, an die Ferienkolonie Silum, die Heilpädagogische Tagesstätte in Schaan, die Caritas und andere.
Zum Stiftungsfest vom 21. September 1963 im 25. Jahr der Regierungszeit des Fürsten Franz Josef II. erklärte sich der Landesfürst bereit, auf Lebenszeit das Ehrenprotektorat über die Rheinmark zu übernehmen. Aus diesem Grund erhielten die Statuten einen Zusatz mit folgendem Wortlaut:
Der Generalkonvent kann Seine Durchlaucht den Landesfürsten um Annahme des Ehrenprotektorates ersuchen. Der Ehrenprotektor ist Mitglied der Verbindung mit allen Rechten, steht aber über Statuten und Komment, deren Verpflichtungen für ihn nicht gelten. Alle Anlässe, an denen der Ehrenprotektor teilnimmt, sind als hochoffziell zu erklären.
Der vorstehende Abschnitt der Statuten tritt mit der Genehmigung vom 1. September 1963 als Bestandteil der Bestimmungen über den Generalkonvent in Kraft. "
Die Urkunde wurde dem Fürsten, mit einer vortreffichen Laudatio verfasst von Dr. David Büchel, übergeben. Die Rheinmark wertet die Annahme des Ehrenprotektorates durch den Landesfürsten als hohe Auszeichnung mit verpflichtendem Charakter. Der Fürst nimmt in seiner Eigenschaft als Ehrenprotektor regelmässig an den Konventen und anderen offziellen Anlässen der Verbindung teil. Damit sind auch gegenseitige Informationen und Meinungsaustausch gesichert, was besonders dort zum Vorteil gerät. wo Anliegen der liechtensteinischen Akademiker und Studenten betroffen sind.
Altherrenschaft und Aktivitas
der Liechtensteinischen Akademischen Verbindung Rheinmark
ernennen kraft Statuten und Bestätigung durch
Generalkonvent vom 21. September 1963
unseren Landesherrn
SEINE DURCHLAUCHT FRANZ JOSEF II. VON LIECHTENSTEIN
Schirmherr und Gönner
durch ein Vierteljahrhundert glücklicher Regierung
zum
EHRENPROTEKTOR
der Liechtensteinischen Akademischen Verbindung
RHEINMARK
zu deren Nutzen und Gedeih, Ehre und Ansehen
in unverbrüchlicher Verbundenheit.
Gegeben zu Vaduz am 21. September 1963
| Altherrenschaft: Hilmar Ospelt Geschäftsführender Präsident |
Aktivitas:
Gert Risch Senior |
Generalkonvent:
Dr. David Büchel
Präsident der Altherrenschaft
Auch ein Mitteilungsblatt der Verbindung ging in einigen Au agen an die Mitglieder der Rheinmark. Das Einführungswort zur ersten Nummer umschrieb seinen Zweck: "... Die Aktiven, im unermüdlichen Kampf gegen die Ignoranz und das Banausentum monatelang vom Stamm entfernt, werden es schätzen, wenn gelegentlich ein mit heimatlichem Poststempel Ersehenes Blatt auf den Tisch ihrer Studierstube attert, dem sie die neueste Entwicklung in der angestammten Verbindung entnehmen können und zugleich aufmunternde oder tröstende ihrer Vorbilder, der Alten Herren, erhalten. Die Alten Herren andererseits, denen die Sorge um unseren Nachwuchs eine Herzensangelegenheit ist, sollen ihrerseits auf diese Art über das Heranwachsen und die Erfolge der Aktivitas unterrichtet werden ...".
In den Jahren bis 1965 waren es vorwiegend die Entsendung der Delegierten der Rheinmark in öffentlichen Kommissionen, die Schaffung eines Jugend- und Sportbeirates der Regierung, die Errichtung eines Fonds für Begabtenförderung, der Liechtensteinische Entwicklungsdienst und der Verein Welt und Heimat, mit welchen sich die Rheinmark zu befassen hatte.
Nach 40 Jahren ihres Bestandes, an der Schwelle einer Zeit, die sich mit ihrer Überbetonung des Materiellen immer mehr von den Idealen der studentischen Verbindungen entfernt, steht die Rheinmark innerlich gefestigt und als Standesvertretung der liechtensteinischen Akademiker anerkannt da. Ihr gehört ein Grossteil der Studierenden und der im Lande tätigen Akademiker an. Sie hat sich in kritischer Zeit als standfest erwiesen und sich die Achtung ihrer Zeitgenossen erworben. Mit ihren Diskussionen, Anregungen und Beiträgen zu wichtigen Themen nahm sie öfters Problemlösungen vorweg, lange bevor diese allgemeine Aktualität beanspruchten. Die Rheinmark ist zudem zu einem dauernd erreichbaren und regelmässig besuchten Treffpunkt geworden, der wesentlich zur Freundschaft und zum gegenseitigen Verstehen beiträgt. Sie blieb couleurstudentischen Traditionen treu, war aber trotzdem dem Neuen aufgeschlossen. Sie hat die Voraussetzungen, auch den Problemen der Zukunft gewachsen zu sein.
Dr. Walter Oehry v/o Kastor
Ist das schon Geschichte, was wir selbst erlebt und was in unserer Erinnerung noch soweiterlebt als wär's von gestern oder vorgestern? So sind die folgenden Zeilen einfach als Rückblick zu betrachten.
Wer erinnert sich nicht an den glanzvollen Festkommers anlässlich des 40. Stiftungsfestes am Samstag, den 2O. September 1960, im Gemeindesaal in Schaan. Ausgezeichnet wurde der Anlass durch die Anwesenheit das Hohen Ehrenprotektors der Rheinmark, S.D. Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein. Die Delegationen und Chargierten der Alemannia Fribourg, der Austria Innsbruck, der Bodania St.Gallen, der Carolina Graz, der Curiensis Chur, der Leopoldina Innsbruck, der Manessia Turicensis Zürich, der Neu-Romania Fribourg, der Raeto- Bavaria Innsbruck, der Rauracia Basel, der Rhenania Zürich, der Teutonia Fribourg, der Traungau Graz und der Vindelicia Innsbruck gaben diesem Festakt die besondere couleurstudentische Atmosphäre und demonstrierten eindrücklich die gemeinsame Zielsetzung und den freundschaftlich nachbarlichen Charakter des Jubiläums. Das Programm wurde am Sonntag fortgesetzt. Der Empfang auf Schloss Vaduz durch S.D. Fürst Franz Josef II. war ein einmaliges Erlebnis.
Rückblickend ist man versucht, das 40. Stiftungsfest als einen Meilenstein in der Entwicklung der Rheinmark zu bezeichnen. War es vielleicht ein Grenzstein zwischen gestern und heute?
Am 31. Januar 1966 starb unerwartet ein verdienstvoller Rheinmärker: AH Dr. Alois Ritter v/o Wotan, Ehrenpräsident der Altherrenschaft. Es ist erfreulich zu berichten, dass in den folgenden Jahren die Zahl der Mitglieder der Aktivitas der Rheinmark anwuchs. Man zählte mehr als vierzig aktive und inaktive Burschen und Füxe, und das Verbindungsleben orierte. Die traditionellen Anlässe, wie Antrittskneipe, Weihnachtsfeier, Couleurball, Maibummel, Schalunkneipe, Stiftungsfest und Saminabummel wurden gepflegt und nach dem Grundsatz "mens sana in corpore sano" wurde auch der Sport nicht vernachlässigt. Denken wir nur an die zahlreichen Grümpelturniererfolge in Schaan, an die Rheinmark-Olympiaden oder an das Altherrenturnen.
Daneben spielten die Studien- und Gegenwartsprobleme im Verbindungsleben der Rheinmark eine wichtige Rolle. Über aktuelle Fragen aus Kultur, Politik und Wirtschaft des In- und Auslandes wurde am Stamm konstruktiv und rege diskutiert.
Ein auch für die Rheinmark schmerzliches Ereignis war der Tod unseres Gründermitgliedes, Sanitätsrat Dr. med. Martin Risch v/o Zeus, am 5. Januar 1970. AH-Präsident Dr. med. David Büchel v/o Götz sagte bei seiner Grabrede wörtlich:
"... Die Rheinmark wäre nicht, wenn nicht Dr. Risch mit Männern seines Geistes und Wesens aus akademischen Idealen heraus eine feste Verbindung geschaffen hätten. Die Rheinmark nimmt Abschied von einem ihrer Gründer. Sein Werk aber wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben."
Die politische Entwicklung an den ausländischen Hochschulen Westeuropas, die sich 1968 drastisch in den damaligen Studentenunruhen manifestierte, führte auch zu einer oppositionellen Haltung gegenüber traditionellen Werten und Institutionen. Das Couleurstudententum blieb von dieser Entwicklung nicht verschont und wurde einer harten Bewährungsprobe ausgesetzt. Die Mitgliederzahlen gingen zurück und manche Verbindungen hatten mit Existenzsorgen zu kämpfen. Die alte Burschenherrlichkeit schien ausgedient zu haben.
Auch in der Rheinmark wurden Stimmen laut, die das Farbenstudententum in der bisher praktizierten Form in Frage stellten und Reformen forderten. In der Folge wurde im Jahre 1970 eine Komment- und Statutenrevision in die Wege geleitet, die grundsätzliche Änderungen beinhalten und der Verbindung neue Impulse geben sollte.
Ein unvergessliches Erlebnis war die Wienreise zusammen mit den Gründermitgliedern Dr. Richard Meier v/o Hiasl und Dr. Alois Vogt v/o Fürst. Sie fand vom 7. bis 11. Mai 1975 als Auftakt zu den Feierlichkeiten zum 50. Stiftungsfest statt. Mehr als 30 Füxe, Burschen und Altherren, zum Teil mit ihren Gemahlinnen, nahmen daran teil. Eine besondere Auszeichnung war der herzliche Empfang durch unseren Hohen Ehrenprotektor S.D. Fürst Franz Josef II. Sowohl die Besichtigung des Palais Liechtenstein an der Bankgasse in Wien als auch der Besuch der Fürstlichen Besitzungen in Wilfersdorf sind eine bleibende Erinnerung.
Höhepunkt des Jubiläums-Stiftungsfestes war der Festkommers am Freitag, den 27. Juni 1975, im Vaduzer-Saal in Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen und fünfzehn Fahnendelegationen befreundeter Verbindungen aus der Schweiz und aus Österreich. Die Festrede hielt Gründermitglied Dr. Richard Meier v/o Hiasl. Es war ein glanzvolles Jubiläums-Stiftungsfest .
So muss doch mehr Substanz in einer Verbindung enthalten sein, als bloss in romantischen Erinnerungen untergegangener Burschenseligkeit zu schwelgen, wenn die Rheinmark mit einer Aktivitas von mehr als 30 Mitgliedern und 88 Altherren ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte.
Da sich immer deutlicher zeigte, dass die sogenannte"Balzner Statuten und Kommentrevision" von 1970 der Reaktivierung des couleurstudentischen Brauchtums und der Pflege althergebrachter Traditionen keinen geeigneten Rahmen mehr zu bieten vermochte, bestellte der BC im September 1975 eine Kommission zur Revision der Statuten und des Kommentes. Im April 1979 wurde der erste Statutenentwurf vorgelegt. Die definitiven Statutenentwürfe entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Altherrenschaft, welche sich ihrerseits an eine Statutenrevision wagte. Die entsprechenden Convente beschlossen im Frühjahr 1985 die heute geltenden Statuten. Der BC setzte als krönenden Abschluss den alten Komment mit kleinen Abänderungen wieder in Kraft.
Das Verbindungsleben der Rheinmark zeugt nach wie vor von der Lebensfähigkeit der Idee des Farbenstudententums. Die Rheinmärker verstanden es auch während der letzten Jahre, der Verbindungsidee einen zeitgemässen Sinn zu geben. Es ist bezeichnend, dass sich Aktivitas und Altherrenschaft auch an die Neuformulierung des Zweckartikels heranwagten, welcher in seiner neuen Fassung den alten Zweck konkretisiert, erneuert und bisher ungeschriebene Zielsetzungen festhält.
Der Tod von Dr. med. dent. Richard Meier v/o Hiasl am 28. Dezember 1982, Gründermitglied der Rheinmark, erfüllte Aktivitas und Altherrenschaft mit grosser Trauer. Als die politischen Turbulenzen vor und zu Beginn des 2. Weltkrieges auch unsere Verbindung vor Zerreissproben nicht verschonte, hat sich AH Hiasl wie kein anderer über Parteiinteressen hinweg mit Erfolg um die Einheit und um den Fortbestand der Rheinmark eingesetzt. Die Liechtensteinische Akademische Verbindung Rheinmark verlor mit ihm einen grossen Initianten und Förderer ihrer Sache.
Anlässlich des 58. Stiftungsfestes am 24. September 1983 feierte die Rheinmark in besonderer Weise die Übernahme des Ehrenprotektorates durch S.D. den Landesfürsten vor 20 Jahren. AH Dr. Gerhard Risch v/o Gips, Senior des Jahres 1963, würdigte in seiner Festrede am Stiftungskommers in Nendeln die Verdienste unseres Hohen Ehrenprotektors und dankte für das grosse Interesse, das S.D. Fürst Franz Josef II. seit jeher den jungen Studierenden Liechtensteins und dem Couleurstudententum im besonderen entgegenbringt.
Aktivitas und Altherrenschaft präsentieren Jahr für Jahr ein reich befrachtetes Programm. Es fehlen keine der traditionellen Anlässe. Seit dem 50. Stiftungsfest werden wieder vermehrt Kontakte zu anderen Couleurverbindungen in Österreich und in der Schweiz gepflegt. 106 Altherren, 29 Burschen und 7 Füxe sorgen derzeit für das Wachsen, Blühen und Gedeihen der Verbindung.
Werner Ospelt v/o Paris
Urs Rheinberger v/o Florian
Hugo Sele v/o Grock
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